Unsere aktive Arbeit

Projekte von TajikAid

Firuza – die gute Seele 2018

Firuza Akmedova ist bei TajikAid die Verbindungsperson zwischen Äzten und Patienten. Seit zehn Jahren - so lange, wie es TajikAid gibt - koordiniert die Sozialarbeiterin dieses wichtige Glied im Mosaik der humanitären Hilfsorganisation. Die frühere Caritas-Mitarbeiterin kümmert sich um die medizinische Versorgung. Als gebürtige Tadschikin hat die 49-Jährige den direkten Zugang zu Geburtskliniken, Kinderheimen und sonstigen Institutionen, für die TajikAid segensreiche Arbeit leistet. „Firuza ist vor Ort quasi das Gesicht unserer Initiative“, beschreibt Projektleiter Dr. Martin Kamp den Einsatz der Tadschikin.

Die Tätigkeiten der Sozialarbeiterin sind ebenso vielschichtig wie anspruchsvoll. Firuza hat für die Anliegen ein offenes Ohr, berät und betreut, koordiniert und sorgt dafür, dass Hilfe unbürokratisch und schnell dort ist, wo sie am nötigsten ist. Ob dies Logopädie-Therapie ist, Stillberatung oder Supervision „was läuft gut, was schlecht“ – Firuza ist in allen Facetten die Kompetenz in Person. Als Leiterin des TajikAid-Büros in der Klinik Karabolo in Dushanbe ist Firuza die einzige Angestellte in dem Hilfsnetzwerk, das sich vorzugsweise um Kleinkinder in Zentralasien mit dem angeborenen Defizit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte kümmert.

„Bis wir schließlich ein Kind operieren und es von seinem Makel befreien können, ist es in aller Regel ein langer und steiniger Pfad - hier ebnet Firuza uns den Weg“, so Martin Kamp. Wenn das internationale Ärzteteam zu ihren regelmäßigen Einsätzen in der Klinik Karabolo einfliegt, hat Firuza die Weichen so gestellt, dass die Mediziner sofort an den OP-Tisch können und keine wertvolle Zeit verloren geht. Dr. Kamp: „Dadurch schaffen wir es immer wieder, in kürzester Zeit enorm vielen Spalt-Kindern zu helfen.“ Diese Arbeitsteilung funktioniert seit den ersten Operationen in Karabolo im Jahr 2014 hervorragend.

Doch Firuza ist weitaus mehr als die Ansprechpartnerin des Klinik-Chefarztes Dr. Abdullo Hasanovic. Die hervorragend vernetzte und kommunikative Tadschikin scheut sich nicht, direkt im Gesundheitsministerium oder in anderen Behörden vorzusprechen, wenn es irgendwo hakt. Wenn Firuza anruft oder die Schwelle ins Ministerium betritt, öffnen sich schnell die Türen. Auch in der Deutschen Botschaft in Dushanbe ist Firuza ein gern gesehener Gast. Ihre zupackende Art, ihr offener Charakter und ihre Herzlichkeit sind legendär. „Firuza ist eine absolute Vertrauensperson, ohne deren Wirken wir unsere Aufgabe in Tadschikistan nur sehr schwer bewältigen könnten“, so Martin Kamp.

Sprachtherapie TajikAid 2018

Auch das Fachgebiet der Sprachtherapie leidet unter den massiven Problemen im tadschikischen Gesundheitssystem, insbesondere dem niedrigen Ausbildungsniveau. Die Ausbildung für LogopädInnen ist ebenso rudimentär wie das gesamte übrige Bildungssystem, so dass es den Universitäts-AbsolventInnen an Grundlagen für allgemeine logopädische Arbeit fehlt. Therapeutisches Wissen im Umgang mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Segel-Fehlbildungen (LKGS-F) ist nicht Teil des Curriculums. Dadurch mangelt es im ganzen Land an SprachtherapeutInnen, die Kinder mit diesen Fehlbildungen gezielt betreuen können.

TajikAid unterstützt deshalb seit mehreren Jahren den Aufbau des Fachbereichs Logopädie in Tadschikistan und legt einen Schwerpunkt auf die Versorgung der an Lippen-, Kiefer- oder Gaumenspalten erkrankten Kinder. Zuständig für diesen Projektteil ist Caroline König, die tadschikisch spricht und als Logopädin an der Universitätsklinik in Salzburg tätig ist.

„Die Aufgabe der LogopädInnen beginnt bereits mit der Geburt, da Babys mit einer angeborenen Lippen-, Kiefer- und/oder Gaumenfehlbildung umfangreiche Hilfe und Behandlung benötigen“, sagt Caroline König. Für Neugeborene mit LKGS-F stellt allein schon die Nahrungsaufnahme eine Herausforderung dar. Aufgrund der anatomischen Fehlbildung können die Babys nicht saugen. Daher gelingt das Stillen nur sehr selten, und auch die Ernährung mit dem Fläschchen muss häufig speziell an das Kind angepasst werden. Die Eltern wiederum stehen noch unter Schock wegen der Fehlbildung ihres Kindes, manche geben sogar den Säugling zur Adoption frei.

Später steht die Sprachentwicklung im Vordergrund: Tipps und Übungen vor und nach den operativen Behandlungen helfen den Kindern, die Artikulationsmuster, die sie für das Sprechen aufbauen, richtig anzuwenden und keine falschen Gewohnheiten zu entwickeln. Caroline König: „Die Zeit des Kleinkindalters, des Vorschulalters und vor der Einschulung sollte intensiv therapeutisch genutzt werden, damit die Kinder alle Schwierigkeiten, die sie aufgrund der Spaltfehlbildung haben, in dieser Zeit überwinden können, um in ihrer Zukunft gleiche Ausbildungs- und Berufs-Chancen wie ihre AltersgenossInnen zu haben.“

Auch hier setzt die Arbeit von TajikAid an: Wir möchten den Kindern die gleichberechtigte Teilhabe am sozialen Leben ermöglichen. Diesbezüglich hat Tajik Aid in den letzten Jahren insbesondere die Zusammenarbeit mit den Geburtenstationen ausgebaut und intensiviert. Eltern erhalten nun gezielte Informationen über die Fehlbildung und die Behandlung ihres Kindes.

2017/2018 führten die Logopädin Helen Buxton und die Kinderkrankenschwester Emma Southby - beide von European Cleft Organisation - in Kooperation mit der Britischen Botschaft auf der Geburtenstation im Karabolo-Krankenhaus in Duschanbe sowie im Bezirkskrankenhaus von Kulob Kinderkrankenschwestern in die Besonderheiten der Ernährung von Säuglingen mit LKGS-F ein. 

Seit 2012 bis 2016 hielt Caroline König für TajikAid mehrmals Seminare für tadschikische Logopädinnen, die im Rahmen von Kinder-Logopädie-Camps neben der Vermittlung theoretischer Inhalte auch das praktische Arbeiten unter Supervision ermöglichten. Während der letzten Jahre konnten in Tadschikistan somit ca. 40 Logopädinnen für die Therapie von Kindern mit LKGS-F eingearbeitet werden. Um Synergien im therapeutischen Bereich zu nutzen, erfolgten die Camps in Zusammenarbeit mit Handicap international und der Caritas; sie fanden in Chorbogh, dem nationalen Rehabilitationszentrum Tadschikistans nahe Duschanbe, in den Städten Kulob sowie Khujand am Kairakum-See statt.

Erfahrungsgemäß unterstützen und beraten sich betroffene Eltern vor allem gegenseitig. Daher ist es wichtig, diese Zielgruppe gut zu beraten und zu ExpertInnen für ihre Kinder zu machen. Im Rahmen der Camps wurde im Rahmen von Elternschulungen Wert auf die Wissensweitergabe an die Eltern gelegt, mit Inhalten wie Kommunikation, Ernährung, Hygiene, LKGS-F und Kindesentwicklung.

OP-Einsatz in Karabolo 2018

Beim OP-Einsatz im Frühjahr 2018 stellten die Mediziner, Pfleger und Techniker aus Deutschland und Österreich fest, dass die Klinik Karabolo in der tadschikischen Hauptstadt Dushanbe im Prinzip gut läuft. Die Patienten haben eine Anlaufstelle, die verschiedenen Erkrankungen werden auf hohem Niveau versorgt. Zusammen mit Ärzten aus der Kinder-Kieferchirurgie der Uni Salzburg führte das TajikAid-Team gemeinsam mit den tadschikischen Kolleginnen und Kollegen in einer Woche rund 45 Operationen an Spalt-Kindern durch. Der Eindruck, den sowohl der TajikAid-Gründer Dr. Martin Kamp als auch Prof. Alexander Gaggl und Oberarzt Dr. Christian Rippel mit nach Europa nehmen: Die zu behandelnden Fälle waren sorgfältig ausgesucht, die Kooperation mit den Fachkräften in Tadschikistan klappt hervorragend. Mit am OP-Tisch standen diesmal auch Narkosearzt Dr. Hartwig Broer vom Krankenhaus Nettetal, OP-Pflegerin Ute Sorg vom Kempener Hospital und Narkosepfleger Jörg Spicher vom Bochumer Universitätsklinikum Bergmannsheil. Mit an Bord waren auch aus Süddeutschland dazugestoßen Zahnarzt Dr. Bernhard Reuschl und Dipl.-Ing. Bernhard Nimbach. „Es ist jedoch zu früh, von einer nachhaltigen Entwicklung zu reden, denn noch mangelt es an hygienischen Standards, die oft nur durch Einmalmaterial erreicht werden können. „Und das gibt es dort fast überhaupt nicht, weil es einfach nicht zu bezahlen ist“, so Dr. Kamp. „Zumindest soviel ist erreicht worden: Es gibt ein landesweit bekanntes Zentrum fur die Spaltchirurgie und ein mittlerweile sehr erfahrenes OP Team.“

Hilfseinsatz im Pamir 2018

Einen Überblick über die Situation in entlegeneren Teilen von Tadschikistan konnte sich im Frühjahr 2018 eine Gruppe aus Deutschland und Österreich im Pamir-Gebirge verschaffen. Auf Einladung des Aga Khan Health Services (AKHS) wurde der Besuch in der sehr entlegenen Pamir-Region an der Grenze zu Afghanistan ermöglicht. Mit dem Geländewagen wären das fast 20 Stunden gewesen. So wurde der Weg mit dem Helikopter zurückgelegt. Die hohen Bergmassive und entlegene Täler machen eine flächendeckende medizinische Versorgung sehr schwierig. Dies wurde auch beim Besuch des Zentralkrankenhauses in der Stadt Khorugh offensichtlich, als man der TajikAid-Delegation stolz ein Sterilisationsgerät aus der Zeit Stalins zeigte. TajikAid-Projektleiter Dr. Martin Kamp: „Hier bemüht sich jedoch die internationale Gemeinschaft mit Unterstützung der AKHS, zumindest die Notfallversorgung zu verbessern.“ Auch TajikAid hatte in der Vergangenheit mehrfach medizinische Ausrüstung an das Krankenhaus gespendet. Und so konnte erneut eine Liste von Erforderlichem erstellt werden, die je nach Spendenaufkommen versandfertig gemacht und zur Unterstützung in den Pamir transportiert werden soll.

Wer ist Aga Khan und was steckt hinter AKHS? Karim Aga Khan ist der religiöse Führer von 20 Millionen ismailitischen Nizariten in 25 Ländern. Die Nizariten sind eine ismailitisch-schiitische Glaubensgemeinschaft. Sie bilden die weltweit zweitgrößte schiitische Gemeinschaft. Ihr Glaube fußt auf dem Koran. Aga Khan (81) lebt in Frankreich. Die Aga-Khan-Stiftung ist die größte private Entwicklungsorganisation der Welt.

Operation in Mönchengladbach 2018

Eine junge Asiatin kann wieder hören – dank TajikAid. Farkunda Hoseinova ist hörend vor 18 Jahren in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe auf die Welt gekommen. Aufgrund einer Behandlung mit Antibiotika, die sich toxisch auf das Innenohr ausgewirkt ist, ist die junge Frau ertaubt. Post-linguale Ertaubung heißt das Phänomen.

„Ich habe Farkunda vor 5 Jahren kennen gelernt. Sie konnte ihre eigene Sprache nicht mehr kontrollieren und hat die Fähigkeit des Sprechens verloren“, berichtet TajikAid-Projektleiter Dr. Martin Kamp. Der HNO-Arzt aus Kempen hat über die Initiative TajikAid vor gut 8 Jahren in Duschanbe mit Freunden und Kollegen eine HNO-Klinik aufgebaut, in der Kleinkinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (LKG) operiert werden können. Im Zuge dieses humanitären Hilfseinsatzes, der den Mediziner vom Niederrhein jährlich für mehrere Wochen nach Zentralasien bringt, kam auch der Kontakt zu Farkunda zustande. Jetzt ist Farkunda in der Mönchengladbacher HNO-Klinik „Maria Hilf“ von Chefarzt Prof. Dr. Jochen Windfuhr operiert worden.

Dr. Windfuhr gehört mit Martin Kamp zum medizinischen Netzwerk, das die Klinik in Tadschikistan aufgebaut hat. Wie Dr. Kamp steht der 52-Jährige mehrere Wochen im Jahr in der Klinik Karabolo in Duschanbe am OP-Tisch und behandelt Spalt-Kinder und weitere HNO-Patienten. Darüber hinaus ist Dr. Windfuhr in Tadschikistan als Ausbilder tätig, um eine autonome Behandlung mit eigenem medizinischen Personal zu ermöglichen.

Mit vereinten Kräften haben die Mediziner es jetzt geschafft, dass eine junge Asiatin wieder am Leben teilhaben kann. „Wir haben Farkunda hinter dem Ohr ein Chochlear-Implantat eingesetzt, das die Hörreize stimuliert“, berichtet Dr. Windfuhr. In der Klinik Maria Hilf gehört ein solcher Eingriff zum Routineprogramm – in Tadschikistan wäre er aufgrund der mangelnden medizinischen Infrastruktur undenkbar. Die Maria Hilf Kliniken haben sämtliche Kosten für die Operation übernommen. „Wir sind auch der franziskanischen Initiative vision:teilen dankbar, dass sie den Aufenthalt von Farkunda und ihrer Schwester Shohona in Deutschland ermöglicht hat“, sagt Dr. Kamp, der den interkontinentalen OP-Einsatz koordiniert hat.

Dr. Kamp und Dr. Windfuhr haben nun den Ehrgeiz, vor Ort in Tadschikistan eine Möglichkeit zu schaffen, dass Patienten wie Farkunda geholfen wird. „Das Schicksal der Post-lingualen-Ertaubung erleiden in Zentralasien leider viele Menschen. Deshalb wäre eine OP-Station im Land selbst ein Segen“, sagt Dr. Kamp. Doch das medizinische Gerät ist teuer, zumal es auch ausgebildeter einheimischer Mediziner bedarf, die den Eingriff vornehmen können. „Es liegt also noch eine Menge Arbeit vor uns“, betont der 48-Jährige.

Jede Spende, jede Unterstützung für TajikAid ist also ein Beitrag für die Gesundheit der Menschen in Tadschikistan. Und darüber hinaus: „Das Vorbild Karabolo zeigt, dass die hilfsbedürftigen Menschen nicht nur aus Tadschikistan, sondern auch aus anderen zentral-asiatischen Ländern zu der HNO-Klinik strömen“, so Dr. Kamp.

Int. Kongress Avicenna 2017

Einer der Höhepunkte des Jahres 2017 war der internationale Wissenschafts-Kongress Ende November 2017 an der Medizinischen Universität Avicenna in Duschanbe zum Thema Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Rund 50 Experten aus Europa und Asien referierten auf Initiative von TajikAid vor wissbegierigen Studentinnen und Studenten und der interessierten Öffentlichkeit. Der interdisziplinäre Ansatz der Tagung umfasste sowohl medizinische Fragestellungen als auch Aspekte in der Sprachtherapie und Nachsorge. Neben deutschen, österreichischen und britischen Spezialisten traten Mediziner aus Afghanistan und Russland ans Rednerpult und berichten aus den Entwicklungen in ihrem Land. Das Ziel des zweitägigen Symposiums war die Hebung des medizinischen Niveaus in Tadschikistan, so dass die besondere medizinische Herausforderung Lippen-Kiefer-Gaumenspalte kompetent behandelt werden kann.

Den ersten Schritt, eine funktionierende HNO-Klinik auf gutem Niveau zu installieren, hat TajikAid nach acht Jahren Anstrengung erreicht. Ein weiteres Ziel von TajikAid ist, dass einheimische Mediziner sämtliche HNO-Erkrankungen auch ohne ausländische Hilfe behandeln können. Der Kongress ist ein weiterer Meilenstein, um dies zu realisieren.

Austausch beim Kongress Avicenna 2017
Austausch beim Kongress Avicenna 2017
Klinikumbau Karabolo 2016/2017

Das zentrale Projekt des Jahres 2016 war für TajikAid der Bau von zwei Operations­bereichen für die Fächer HNO und Augen­heil­kunde in der Univer­si­täts­klinik Karabolo in Duschanbe. Die Finan­zierung wurde durch den Verein HUMAN Plus (Nettetal), die Stiftung Bild hilft e.V. / „Ein Herz für Kinder“ (Hamburg) sowie die Stiftung „Sternstunden“ (München) ermöglicht. Die Transport­kosten aus Deutschland, u.a. für OP-Türen und eine Sauerstoffanlage, wurden von der gemeinnützigen Gesellschaft „Engagement Global“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bezuschusst. In Herkulesarbeit sind in Rekordzeit auf einer Etage der Uniklinik eine moderne, technisch und hygienisch einwandfreie OP für HNO mit einer zentralen Sauerstoffversorgung für 4.500 Operationen im Jahr einschließlich eines Intensiv- und Aufwachraums entstanden. Aufgrund der baugleichen Situation wurde das Projekt auch auf den darunter befindlichen Zentral-OP für Augenheilkunde ausgeweitet. Beide OP-Zentren befinden sich im Corpus 2 der Klinik, weshalb das Projekt den Titel „Karabolo Corpus 2“ trägt.

Klinikumbau Karabolo 2016
Klinikumbau Karabolo
Operationen in der Uniklinik Salzburg 2016

Die Universitätsklinik Salzburg hat durch Vermittlung von TajikAid um die Jahreswende 2016/17 sechs jungen Patienten mit schweren Missbildungen eine operative Versorgung ermöglicht. Die Kosten der aufwändigen Operationen und Nachbehandlungen sowie der gesamten Betreuung in Österreich wurden durch einen Fonds der Uniklinik Salzburg getragen. Die Deutsche Botschaft stellte die Visa für die Behandlung aus. TajikAid brachte die Kinder samt einer Betreuerin nach Salzburg. Dort wurden die Patienten über zwei Monate hinweg behandelt. Der leitende Arzt war Prof. Alexander Gaggl, Chefarzt der Kieferchirurgie in Salzburg. Die operierten tadschikischen Kinder wohnten nach der Entlassung aus der Klinik bis zur vollständigen Genesung in einer Patienten-WG der Stiftung Ronald McDonald’s. Die sechs jungen Menschen haben nun in ihrer Heimat Tadschikistan die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben.

OP Uniklinik Salzburg
Fresenius-Preis für TajikAid 2016

Im Oktober 2016 hat die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung an Dr. Martin Kamp für seine TajikAid-Initiative einen Anerkennungspreis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit verliehen. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis wurde im Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit in Berlin überreicht. „Der Preis würdigt den Aufbau der medizinischen Versorgung in Tadschikistan von Kindern mit angeborenen Fehlbildungen, den sogenannten Lippen-Kiefer-Gaumenspalten“, sagte die Laudatorin Auma Obama, Halbschwester des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, im Beisein von Dr. Kamp. Das Merkmal der Nachhaltigkeit, so die Fresenius-Stiftung, wurde in besonderer Weise durch den Aufbau eines Behandlungszentrums an der Uniklinik der Hauptstadt Duschanbe erreicht.

Austausch mit Bundespräsident a.D. Horst Köhler
Austausch mit Bundespräsident a.D. Horst Köhler bei einer Anschluss-Besprechung im Bundesministerium für Entwicklungszusammenarbeit im Oktober 2017
Masterkurs für Kieferorthopädie 2016

Das Ziel von TajikAid ist, in Tadschikistan eine gute HNO-Versorgung aus eigener Kraft sicherzustellen. Nach Aufbau und Inbetriebnahme des HNO-Zentrums geht es nun darum, die Strukturen durch Monitoring zu festigen und das Wissen zu vertiefen. Die Schulung des medizinischen Personals ist deshalb das A und O. Das kieferorthopädische Wissen steht dabei im Fokus. Hierum kümmert sich primär Dr. Gennadij Londa. Der Kieferorthopäde, Oralchirurg und Zahnarzt aus dem niedersächsischen Wittmund hat an der medizinischen Hochschule in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe einen Masterkurs im Fachbereich Kieferorthopädie aufgebaut. Die medizinische Fakultät gehört zur dortigen Staatlichen Avicenna-Universität. Im Mai 2016 wurde der dritte Teil dieses Lehrgangs durchgeführt. Die 18 Absolventen des ersten Kurses erhielten vom Universitäts-Rektor Ubaidullo Kurbanov und vom deutschen Botschafter Holger Green ihr Diplom.

Masterkurs für Kieferorthopädie
Masterkurs für Kieferorthopädie
OP-Einsatz in Karabolo 2016

Im Mai 2016 führte das TajikAid-Team zwei Operationseinsätze in der Klinik Karabolo durch. Dabei wurden über 80 Kinder im Bereich der Spaltchirurgie sowie 50 Patienten im Bereich der HNO-Heilkunde operativ versorgt. Diese Einsätze wurden durch Spenden ermöglicht. Auch der Lions Club Würzburg brachte sich ein. Leiter des ersten Einsatzes war Prof. Christian Michel, Kieferchirurg aus Würzburg. Den zweiten Einsatz leitete Prof. Alexander Gaggl, Chefarzt der Kieferchirurgie in Salzburg. Beide Mediziner sind seit vielen Jahren im Projekt TajikAid engagiert. Die Verantwortung im HNO-Fachbereich übernahm Prof. Dr. Jochen Windfuhr, Chefarzt der HNO-Klinik Maria-Hilf in Mönchengladbach.

Prof. Petzel beim OP-Einsatz in Karabolo
Prof. Petzel beim OP-Einsatz in Karabolo
Wandgemälde in der Klinik Karabolo 2015

Nach der erfolgreichen Renovierung und Modernisierung der MKG-Station des Krankenhauses in Karabolo 2014 strahlte alles blitzblank und weiß – aber die Station wirkte weiterhin ein wenig trist, die frisch gestrichenen Wände waren kahl und leer. Gerade den vielen kleinen Patienten wurde es schnell sehr langweilig, denn es gibt in der Klinik – wie in Tadschikistan leider üblich – weder Spielsachen für die Kinder noch Fernsehen, WLAN oder Bücher für die Mütter.

Um der Tristesse im kahlen Korridor etwas Positives entgegenzusetzen, gestaltete die Künstlerin Julia Reich auf Anregung von Dr. Martin Kamp eine komplette Wand auf der MKG-Station mit einem großen bunten Wandbild voller Motive aus Tadschikistan. Julia Reich war seit 2010 mehrfach durch Zentralasien gereist und konnte für das Wandbild in Karabolo auf profunde Landeskenntnisse zurückgreifen. Das Bild hat die Künstlerin gemalt, ohne dafür Honorar zu verlangen. Das sehr schöne Ergebnis ist ein Wimmelbild für die kleinen Patienten, das im trostlosen Krankenhaus-Flur den Alltag verschönert.

Weil das spontane Projekt unter großem Zeitdruck fertiggestellt werden musste, besorgte die Künstlerin kurzfristig in Duschanbes Geschäften und auf einem großen Basar auf eigene Kosten alles, was als Malmaterial nötig und brauchbar war. Julia Reich funktionierte einen grünen OP-Kittel zum Malerkittel um, skizzierte einen Entwurf und bemalte dann innerhalb von nur zwei Tagen im Mai 2015 die rund 7,5 m lange Wand auf einer Höhe von anderthalb Metern, all das bei laufendem Klinikbetrieb. So nahmen die großen und kleinen Patienten auf der Station regen Anteil am Entstehungsprozess und freuten sich über jedes neue Detail. Die Krankenschwestern von Karabolo wiederum versorgten in bester tadschikischer Gastfreundschaft die Künstlerin bei der Arbeit mit reichlich Tee und Keksen.

Der Fries zeigt in der Art eines Wimmel-Bilderbuchs für Kinder viele bunte Szenen aus dem Alltag, vom traditionellen Basar bis zur grandiosen Berglandschaft des zentralasiatischen Landes. Das Kunstwerk knüpft an die weit verbreiteten großformatigen Wand- und Fassadenbilder im Stadtbild von Duschanbe an.

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Dr. med. Martin Kamp (Projektleitung)
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