Kongress – ein Meilenstein

Kongress Universität Duschanbe Tadschikistan 2017
Herzlicher Empfang vor dem Universitätsgebäude in Duschanbe zu Beginn des Kongresses

22.11.2017Eine gelungene Premiere: Der von TajikAid initiierte internationale Wissenschaftskongress zum Thema „Komplexität und Lösungen für eine interdisziplinäre Behandlung von Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (LKG)“, der Ende November 2017 an der Medizinischen Universität Avicenna in Duschanbe stattfand, wird sich nachhaltig auf die weitere Entwicklung in Tadschikistan und darüber hinaus auswirken. Auf Einladung von TajikAid fand der Kongress als Regionalkonferenz unter Teilnahme von Medizinern und Spezialisten aus Russland, Afghanistan, Großbritannien, dem deutschsprachigen Raum und natürlich Tadschikistan statt.

TajikAid entwickelt seit acht Jahren einen Hot-Spot für Kinder und Jugendliche mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte in dem zentralasiatischen Land. Vorher wurden die Kinder aus armen Familien, die sich die Operation nicht leisten konnten, meist stigmatisiert und ausgegrenzt. Mittlerweile werden in der Universitätsklinik Karabolo pro Jahr hunderte Patienten mit der Fehlbildung operiert – längst nicht mehr nur „Spaltkinder“, sondern auch Menschen mit Problemen an Augen und Ohren.

„Das Symposium hat dazu beigetragen, dass in Tadschikistan mehr und mehr aus eigener Kraft und mit selbst aufgebauter Kompetenz Defizite im kieferchirurgischen Bereich aufgearbeitet werden“, freut sich TajikAid-Gründer Dr. Martin Kamp (Kempen). Zu der zweitägigen interdisziplinären Konferenz stießen neben den wissenschaftlichen Leitern von TajikAid – Dr. Gennadij Londa und Prof. Dr. Jürgen Petzel (beide Oldenburg) – als Referenten auch der Berliner Mikrobiologe Prof. Dr. Timo Ulrichs (Akkon Hochschule für Humanwissenschaften, Koch-Metschnikow-Forum) sowie die Salzburger Sprachtherapeutin Caroline König mit ihren britischen Kolleginnen Helen Buxton und Emma Southby. Während Dr. Ulrichs sich mit den ethischen Herausforderungen bei kinderheilkundlichen Erkrankungen befasste, stellten die Sprachtherapeutinnen Konzepte für Lippen-Kiefer-Patienten vor.

„Wir brauchen Sie hier und danken Ihnen, dass Sie sich die Zeit für diesen ersten Kongress genommen haben“, sagte Gulzoda Mahmadshon Qurbonali, Rektor der Medizinischen Universität. Das Uni-Team begegnete den rund 50 Experten aus allen Teilen von Europa und Asien mit ausgesprochener Gastfreundlichkeit. Einer der ersten Referenten war Dr. Abdullo Hasanovic, Leiter der von TajikAid aufgebauten HNO-Klinik Karabolo in Duschanbe. Eine Besichtigung dieser mittlerweile auf gutem Niveau operierenden Einrichtung stand am zweiten Tag des Symposiums auf dem Programm.

Beim Kongress trug der Spalt-Chirurg Dr. Abdul Wahid Ershad aus Masar-e Scharif die durch Sicherheitsdefizite und den schweren Patientenzugang gezeichnete Entwicklung der Spalt-Chirurgie am Hindukusch vor. „Wir brauchen mehr spezialisierte Spalt-Center“, so der Mediziner. Die Kontakte zu den afghanischen Ärzten bestehen bereits seit 2010. Die Mediziner wurden in Indien durch eine Finanzierung des Auswärtigen Amtes weitergebildet.

Auf fachlich sehr hohem Niveau berichtete Professor Dr. Alexander Seregin von der Universität Samara über moderne Aspekte in der chirurgischen Behandlung und Rehabilitation von Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte. Dr. Kamp selbst referierte über den Verschluss des Nasenrachens durch das Gaumensegel bei Spalt-Kindern.

Weitere Themen waren u.a. Sprachtherapie, ästhetische Herangehensweise bei der operativen Therapie, Risikofaktoren in der Implantologie, sowie kieferorthopädische Versorgung. Die grundsätzliche Intention der Konferenz war, zu verdeutlichen, dass eine umfassende Rehabilitation von Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte eine Herausforderung für viele medizinische Fachbereiche ist. All diese Gebiete wurden erstmals in einer Tagung in Tadschikistan zusammengeführt.

Die differenzierten Einblicke auf höchstem wissenschaftlichem Niveau nahmen die wissbegierigen Studenten der Medizinischen Hochschule Duschanbe im großen Kongress-Hörsaal in sich auf. Ihr hinzugewonnenes Wissen und die positive Grundstimmung werden die Zukunft der Klinik Karabolo nachhaltig sichern. Einige der Studenten werden nach Abschluss ihrer Ausbildung mit Sicherheit dort im OP stehen und die Kinder von ihren angeborenen Fehlbildungen befreien. Es ist absehbar, dass der länderübergreifende wissenschaftliche Austausch weitere Kreise ziehen wird.

Die verständlichen und engagiert vorgetragenen Referate wurden von Dolmetschern der Universität hervorragend ins Englische oder Russische übersetzt. Der in die Jahreskonferenz der Medizinischen Universität Duschanbe integrierte TajikAid-Kongress hat dazu geführt, dass die humanitären und sozialen Anliegen der Initiative – benachteiligten Kindern im Herzen von Asien die Teilhabe am Leben zu ermöglichen – nunmehr auf dem internationalen Monitor von Wissenschaft, Politik, Diplomatie und Medien steht.

TajikAid-Projektleiter Dr. Kamp: „Es ist erfreulich, dass wir das Krankheitsbild der Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten vor allem auch durch die Teilnahme der ausländischen Gäste in den Fokus der Medizin bringen konnten. Im besten Fall entwickeln sich medizinische und wissenschaftliche Kooperationen, die die beste Therapie für die Kinder ermöglichen und sich gegenseitig unterstützen.“

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