Unsere aktive Arbeit

Projekte von TajikAid

OP-Einsatz in Karabolo 2018

Beim OP-Einsatz im Frühjahr 2018 stellten die Mediziner, Pfleger und Techniker aus Deutschland und Österreich fest, dass die Klinik Karabolo in der tadschikischen Hauptstadt Dushanbe im Prinzip gut läuft. Die Patienten haben eine Anlaufstelle, die verschiedenen Erkrankungen werden auf hohem Niveau versorgt. Zusammen mit Ärzten aus der Kinder-Kieferchirurgie der Uni Salzburg führte das TajikAid-Team gemeinsam mit den tadschikischen Kolleginnen und Kollegen in einer Woche rund 45 Operationen an Spalt-Kindern durch. Der Eindruck, den sowohl der TajikAid-Gründer Dr. Martin Kamp als auch Prof. Alexander Gaggl und Oberarzt Dr. Christian Rippel mit nach Europa nehmen: Die zu behandelnden Fälle waren sorgfältig ausgesucht, die Kooperation mit den Fachkräften in Tadschikistan klappt hervorragend. Mit am OP-Tisch standen diesmal auch Narkosearzt Dr. Hartwig Broer vom Krankenhaus Nettetal, OP-Pflegerin Ute Sorg vom Kempener Hospital und Narkosepfleger Jörg Spicher vom Bochumer Universitätsklinikum Bergmannsheil. Mit an Bord waren auch aus Süddeutschland dazugestoßen Zahnarzt Dr. Bernhard Reuschl und Dipl.-Ing. Bernhard Nimbach. „Es ist jedoch zu früh, von einer nachhaltigen Entwicklung zu reden, denn noch mangelt es an hygienischen Standards, die oft nur durch Einmalmaterial erreicht werden können. „Und das gibt es dort fast überhaupt nicht, weil es einfach nicht zu bezahlen ist“, so Dr. Kamp. „Zumindest soviel ist erreicht worden: Es gibt ein landesweit bekanntes Zentrum fur die Spaltchirurgie und ein mittlerweile sehr erfahrenes OP Team.“

Hilfseinsatz im Pamir 2018

Einen Überblick über die Situation in entlegeneren Teilen von Tadschikistan konnte sich im Frühjahr 2018 eine Gruppe aus Deutschland und Österreich im Pamir-Gebirge verschaffen. Auf Einladung des Aga Khan Health Services (AKHS) wurde der Besuch in der sehr entlegenen Pamir-Region an der Grenze zu Afghanistan ermöglicht. Mit dem Geländewagen wären das fast 20 Stunden gewesen. So wurde der Weg mit dem Helikopter zurückgelegt. Die hohen Bergmassive und entlegene Täler machen eine flächendeckende medizinische Versorgung sehr schwierig. Dies wurde auch beim Besuch des Zentralkrankenhauses in der Stadt Khorugh offensichtlich, als man der TajikAid-Delegation stolz ein Sterilisationsgerät aus der Zeit Stalins zeigte. TajikAid-Projektleiter Dr. Martin Kamp: „Hier bemüht sich jedoch die internationale Gemeinschaft mit Unterstützung der AKHS, zumindest die Notfallversorgung zu verbessern.“ Auch TajikAid hatte in der Vergangenheit mehrfach medizinische Ausrüstung an das Krankenhaus gespendet. Und so konnte erneut eine Liste von Erforderlichem erstellt werden, die je nach Spendenaufkommen versandfertig gemacht und zur Unterstützung in den Pamir transportiert werden soll.

Wer ist Aga Khan und was steckt hinter AKHS? Karim Aga Khan ist der religiöse Führer von 20 Millionen ismailitischen Nizariten in 25 Ländern. Die Nizariten sind eine ismailitisch-schiitische Glaubensgemeinschaft. Sie bilden die weltweit zweitgrößte schiitische Gemeinschaft. Ihr Glaube fußt auf dem Koran. Aga Khan (81) lebt in Frankreich. Die Aga-Khan-Stiftung ist die größte private Entwicklungsorganisation der Welt.

Jenseits der Stille (2018)

Eine junge Asiatin kann wieder hören – dank TajikAid. Farkunda Hoseinova ist hörend vor 18 Jahren in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe auf die Welt gekommen. Aufgrund einer Behandlung mit Antibiotika, die sich toxisch auf das Innenohr ausgewirkt ist, ist die junge Frau ertaubt. Post-linguale Ertaubung heißt das Phänomen. „Ich habe Farkunda vor 5 Jahren kennen gelernt. Sie konnte ihre eigene Sprache nicht mehr kontrollieren und hat die Fähigkeit des Sprechens verloren“, berichtet TajikAid-Projektleiter Dr. Martin Kamp. Der HNO-Arzt aus Kempen hat über die Initiative TajikAid vor gut acht Jahren in Duschanbe mit Freunden und Kollegen eine HNO-Klinik aufgebaut, in der Kleinkinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte operiert werden können. Im Zuge dieses humanitären Hilfseinsatzes, der den Mediziner vom Niederrhein jährlich für mehrere Wochen nach Zentralasien bringt, kam auch der Kontakt zu Farkunda zustande. Jetzt ist Farkunda in den Mönchengladbacher HNO-Kliniken von Chefarzt Prof. Dr. Jochen Windfuhr operiert worden. Dr. Windfuhr gehört mit Martin Kamp zum medizinischen Netzwerk, das die Klinik in Tadschikistan aufgebaut hat. Wie Dr. Kamp steht der 52-Jährige mehrere Wochen im Jahr in der Klinik Karabolo in Duschanbe am OP-Tisch und behandelt Spalt-Kinder und weitere HNO-Patienten. Darüber hinaus ist Prof. Windfuhr in Tadschikistan als Ausbilder tätig, um eine autonome Behandlung mit eigenem medizinischen Personal zu ermöglichen. Mit vereinten Kräften haben die Mediziner es jetzt geschafft, dass eine junge Asiatin wieder am Leben teilhaben kann. „Wir haben Farkunda hinter dem Ohr ein Chochlear-Implantat eingesetzt, das die Hörreize stimuliert“, berichtet Jochen Windfuhr. Am Maria-Hilf gehört ein solcher Eingriff zum Routineprogramm – in Tadschikistan wäre er aufgrund der mangelnden medizinischen Infrastruktur undenkbar. Die Maria Hilf Kliniken haben sämtliche Kosten für die Operation übernommen. „Wir sind auch der franziskanischen Initiative vision:teilen dankbar, dass sie den Aufenthalt von Farkunda und ihrer Schwester Shohona in Deutschland ermöglicht hat“, sagt Martin Kamp, der den interkontinentalen OP-Einsatz koordiniert hat. Dr. Kamp und Dr. Windfuhr haben nun den Ehrgeiz, vor Ort in Tadschikistan eine Möglichkeit zu schaffen, dass Patienten wie Farkunda geholfen wird. „Das Schicksal der Post-lingualen-Ertaubung erleiden in Zentralasien leider viele Menschen. Deshalb wäre eine OP-Station im Land selbst ein Segen“, sagt Martin Kamp. Doch das medizinische Gerät ist teuer, zumal es auch ausgebildeter einheimischer Mediziner bedarf, die den Eingriff vornehmen können. „Es liegt also noch eine Menge Arbeit vor uns“, betont der 48-Jährige. Jede Spende, jede Unterstützung für TajikAid ist also ein Beitrag für die Gesundheit der Menschen in Tadschikistan. Und darüber hinaus: „Das Vorbild Karabolo zeigt, dass die hilfsbedürftigen Menschen nicht nur aus Tadschikistan, sondern auch aus anderen zentral-asiatischen Ländern zu der HNO-Klinik strömen“, so Kamp.

Int. Kongress Avicenna 2017

Einer der Höhepunkte des Jahres 2017 war der internationale Wissenschafts-Kongress Ende November 2017 an der Medizinischen Universität Avicenna in Duschanbe zum Thema Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Rund 50 Experten aus Europa und Asien referierten auf Initiative von TajikAid vor wissbegierigen Studentinnen und Studenten und der interessierten Öffentlichkeit. Der interdisziplinäre Ansatz der Tagung umfasste sowohl medizinische Fragestellungen als auch Aspekte in der Sprachtherapie und Nachsorge. Neben deutschen, österreichischen und britischen Spezialisten traten Mediziner aus Afghanistan und Russland ans Rednerpult und berichten aus den Entwicklungen in ihrem Land. Das Ziel des zweitägigen Symposiums war die Hebung des medizinischen Niveaus in Tadschikistan, so dass die besondere medizinische Herausforderung Lippen-Kiefer-Gaumenspalte kompetent behandelt werden kann.

Den ersten Schritt, eine funktionierende HNO-Klinik auf gutem Niveau zu installieren, hat TajikAid nach acht Jahren Anstrengung erreicht. Ein weiteres Ziel von TajikAid ist, dass einheimische Mediziner sämtliche HNO-Erkrankungen auch ohne ausländische Hilfe behandeln können. Der Kongress ist ein weiterer Meilenstein, um dies zu realisieren.

Austausch beim Kongress Avicenna 2017
Austausch beim Kongress Avicenna 2017
Klinikumbau Karabolo 2016/2017

Das zentrale Projekt des Jahres 2016 war für TajikAid der Bau von zwei Operations­bereichen für die Fächer HNO und Augen­heil­kunde in der Univer­si­täts­klinik Karabolo in Duschanbe. Die Finan­zierung wurde durch den Verein HUMAN Plus (Nettetal), die Stiftung Bild hilft e.V. / „Ein Herz für Kinder“ (Hamburg) sowie die Stiftung „Sternstunden“ (München) ermöglicht. Die Transport­kosten aus Deutschland, u.a. für OP-Türen und eine Sauerstoffanlage, wurden von der gemeinnützigen Gesellschaft „Engagement Global“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bezuschusst. In Herkulesarbeit sind in Rekordzeit auf einer Etage der Uniklinik eine moderne, technisch und hygienisch einwandfreie OP für HNO mit einer zentralen Sauerstoffversorgung für 4.500 Operationen im Jahr einschließlich eines Intensiv- und Aufwachraums entstanden. Aufgrund der baugleichen Situation wurde das Projekt auch auf den darunter befindlichen Zentral-OP für Augenheilkunde ausgeweitet. Beide OP-Zentren befinden sich im Corpus 2 der Klinik, weshalb das Projekt den Titel „Karabolo Corpus 2“ trägt.

Klinikumbau Karabolo 2016
Klinikumbau Karabolo
Operationen in der Uniklinik Salzburg 2016

Die Universitätsklinik Salzburg hat durch Vermittlung von TajikAid um die Jahreswende 2016/17 sechs jungen Patienten mit schweren Missbildungen eine operative Versorgung ermöglicht. Die Kosten der aufwändigen Operationen und Nachbehandlungen sowie der gesamten Betreuung in Österreich wurden durch einen Fonds der Uniklinik Salzburg getragen. Die Deutsche Botschaft stellte die Visa für die Behandlung aus. TajikAid brachte die Kinder samt einer Betreuerin nach Salzburg. Dort wurden die Patienten über zwei Monate hinweg behandelt. Der leitende Arzt war Prof. Alexander Gaggl, Chefarzt der Kieferchirurgie in Salzburg. Die operierten tadschikischen Kinder wohnten nach der Entlassung aus der Klinik bis zur vollständigen Genesung in einer Patienten-WG der Stiftung Ronald McDonald’s. Die sechs jungen Menschen haben nun in ihrer Heimat Tadschikistan die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben.

OP Uniklinik Salzburg
Fresenius-Preis für TajikAid 2016

Im Oktober 2016 hat die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung an Dr. Martin Kamp für seine TajikAid-Initiative einen Anerkennungspreis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit verliehen. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis wurde im Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit in Berlin überreicht. „Der Preis würdigt den Aufbau der medizinischen Versorgung in Tadschikistan von Kindern mit angeborenen Fehlbildungen, den sogenannten Lippen-Kiefer-Gaumenspalten“, sagte die Laudatorin Auma Obama, Halbschwester des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, im Beisein von Dr. Kamp. Das Merkmal der Nachhaltigkeit, so die Fresenius-Stiftung, wurde in besonderer Weise durch den Aufbau eines Behandlungszentrums an der Uniklinik der Hauptstadt Duschanbe erreicht.

Austausch mit Bundespräsident a.D. Horst Köhler
Austausch mit Bundespräsident a.D. Horst Köhler bei einer Anschluss-Besprechung im Bundesministerium für Entwicklungszusammenarbeit im Oktober 2017
Masterkurs für Kieferorthopädie 2016

Das Ziel von TajikAid ist, in Tadschikistan eine gute HNO-Versorgung aus eigener Kraft sicherzustellen. Nach Aufbau und Inbetriebnahme des HNO-Zentrums geht es nun darum, die Strukturen durch Monitoring zu festigen und das Wissen zu vertiefen. Die Schulung des medizinischen Personals ist deshalb das A und O. Das kieferorthopädische Wissen steht dabei im Fokus. Hierum kümmert sich primär Dr. Gennadij Londa. Der Kieferorthopäde, Oralchirurg und Zahnarzt aus dem niedersächsischen Wittmund hat an der medizinischen Hochschule in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe einen Masterkurs im Fachbereich Kieferorthopädie aufgebaut. Die medizinische Fakultät gehört zur dortigen Staatlichen Avicenna-Universität. Im Mai 2016 wurde der dritte Teil dieses Lehrgangs durchgeführt. Die 18 Absolventen des ersten Kurses erhielten vom Universitäts-Rektor Ubaidullo Kurbanov und vom deutschen Botschafter Holger Green ihr Diplom.

Masterkurs für Kieferorthopädie
Masterkurs für Kieferorthopädie
OP-Einsatz in Karabolo 2016

Im Mai 2016 führte das TajikAid-Team zwei Operationseinsätze in der Klinik Karabolo durch. Dabei wurden über 80 Kinder im Bereich der Spaltchirurgie sowie 50 Patienten im Bereich der HNO-Heilkunde operativ versorgt. Diese Einsätze wurden durch Spenden ermöglicht. Auch der Lions Club Würzburg brachte sich ein. Leiter des ersten Einsatzes war Prof. Christian Michel, Kieferchirurg aus Würzburg. Den zweiten Einsatz leitete Prof. Alexander Gaggl, Chefarzt der Kieferchirurgie in Salzburg. Beide Mediziner sind seit vielen Jahren im Projekt TajikAid engagiert. Die Verantwortung im HNO-Fachbereich übernahm Prof. Dr. Jochen Windfuhr, Chefarzt der HNO-Klinik Maria-Hilf in Mönchengladbach.

Prof. Petzel beim OP-Einsatz in Karabolo
Prof. Petzel beim OP-Einsatz in Karabolo

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