Austausch beim Kongress Duschanbe 2017

  |  Kieferorthopädie

Dr. Martin Kamp (l.) und Ingenieur Bernhard Nimbach in der Medizinischen Universität 2017
Dr. Martin Kamp (l.) und Ingenieur Bernhard Nimbach

Dr. Martin Kamp und Ingenieur Bernhard Nimbach tauschten sich am Rande des medizinischen Kongresses Ende 2017 in Duschanbe aus. Das folgende Interview gibt die Gedanken wieder, die den Mediziner und den Ingenieur umtrieben.

 

Herr Nimbach, worin liegt die besondere Herausforderung, eine Klinik wie Karabolo zu betreuen?

Erst einmal natürlich in der Entfernung. Man kann nicht einfach mal vorbeifahren. Auch gibt es eine Sprachbarriere und ein nicht unerhebliches Defizit an Fachwissen und Facharbeitern in Tadschikistan.

Herr Dr. Kamp, warum wurde das Spalt-Zentrum ausgerechnet in der staatlichen Klinik Karabolo etabliert?

Das Spaltzentrum befindet sich in der zweiten Etage des Corpus 9 in der Klinik Karabolo. Wir waren alle der Auffassung, dass solch eine Einrichtung in den Bereich „public health“, also in eine öffentliche Gesundheitseinrichtung gehört, da der Zugang zur Behandlung für die normale Bevölkerung dort barrierefrei gegeben ist. Zudem bestand in der Klinik bereits die Kinder-Kieferchirurgie und entsprechende Kompetenzen, auf die aufgebaut werden konnte.

Herr Nimbach, wie würden Sie den technischen Standard der von TajikAid geförderten Häuser in Karabolo beurteilen?

Was wir in Karabolo eingerichtet haben, besteht aus einer möglichst angepassten und nachhaltigen Technik, die weitgehend vor Ort gewartet und in Stand gehalten werden kann. Wir haben bewusst auf hochkomplexe Medizintechnik nach deutschem Standard verzichtet. So verfügt der OP über Beatmungsgeräte, die mechanisch statt elektronisch reguliert werden. Wir haben teilweise gebrauchte, aber sehr robuste Stahlbetten ohne Elektroantrieb aus Deutschland importiert. Die OP-Türen sind Edelstahl-Schiebetüren mit manueller Bedienung, die ebenfalls eine lange Lebensdauer haben. Für Tadschikistan bedeutet all dies, dass wir hier einen für das Land vergleichsweise hohen Einrichtungsstandard geschaffen haben, der für eine längerfristige Krankenversorgung geeignet ist.

Wie hat sich die neue Sauerstoff-Anlage bewährt?

Die Anlage in Haus 9 läuft seit über zweieinhalb Jahren störungsfrei. Sie sorgt für eine ständige Verfügbarkeit von Sauerstoff, der direkt vor Ort erzeugt wird und den OP von der oft unsicheren Flaschenversorgung unabhängig macht. Zur Erläuterung: Die Anlage funktioniert mit Druckluft, die über ein Adsorptionsverfahren vom normalen 21% Sauerstoff-Gehalt der Luft bis auf 93% hochkonzentriert wird. Sollte der Strom über längere Zeit ausfallen, dann stehen konventionelle Sauerstoffflaschen zur Überbrückung zur Verfügung.
Die kürzlich eingebaute Anlage in Haus 2 verfügt noch zusätzlich über eine Flaschenfüllanlage. Damit lassen sich für die Klinik Einnahmen durch Verkauf von befüllten Sauerstoffflaschen erzielen. Für diese Anlage liegen derzeit noch nicht genügend Betriebserfahrungen vor, ich gehe aber davon aus, dass sie sich ebenfalls bewähren wird.

Was sollte als nächstes angepackt werden, um das Niveau in Karabolo nicht nur zu halten, sondern zu verbessern?

Eine Ersatzstromversorgung über Notstromaggregate würde , gerade bei längeren Operationen, sehr zur Betriebssicherheit und damit zum Patientenwohl beitragen. Leider fällt selbst in der Hauptstadt Duschanbe der Strom immer wieder bis zu einer Stunde lang aus.

Wie klappt die Zusammenarbeit mit den Technikern vor Ort?

Im Prinzip klappt die Zusammenarbeit gut. Unsere Hilfe wird gerne angenommen und wertgeschätzt. Leider ist es schwierig, genügend Personal mit ausreichender Qualifikation zu finden.

Werden Mediziner und Pflegepersonal geschult, um mit den modernen Gerätschaften umzugehen?

Selbstverständlich: Ohne Schulung und wiederholte Nachschulung wäre ein Betrieb der OPs und Krankenstationen nicht möglich.

Herr Dr. Kamp, Hygiene spielt für jede Klinik eine große Rolle. Wie sieht’s hier in Karabolo aus?

Immerhin verfügt Haus 9 über einen funktionierenden Sterilisator für das OP-Besteck. Dies ist in Tadschikistan nicht selbstverständlich. Nicht zuletzt dienen auch funktionierende sanitäre Anlagen der Krankenhaushygiene. Hier gibt es im ganzen Land noch viel zu tun.

Herr Nimbach, wenn Sie einen Wunsch für Karabolo frei hätten, wie sähe dieser Wunsch aus?

Dass im Lauf der Zeit alle OPs hergerichtet werden und die gesamte Klinik auf einen guten Stand gebracht wird.

Dr. Kamp, die TajikAid-Häuser 9 und 2 sind eingebettet in einen Klinikkomplex. Worin liegen die Vorteile?

Es ist für Ausbildung und Patientenversorgung gut, wenn die medizinische Kompetenz gebündelt wird. Das ist mit den verschiedenen Häusern der Fall. Zudem ergeben sich Synergien in der Mittelbeschaffung, Labortechnik, Ausstattung und so weiter. Die OP-Renovierung war vor dem Hintergrund eine wichtige Maßnahme, da in diesem Zentral-OP Eingriffe aus verschiedenen Fachrichtungen durchgeführt werden können. Letztendlich bleibt aber noch viel Arbeit, wenn man Karabolo auf einen westlichen Standart bringen will. An der Stelle kommt es auf den Willen und die Mittel des tadschikischen Gesundheitsministeriums an.

Weitere Infos zu Dr. Martin Kamp und Bernhard Nimbach finden Sie unter "Über uns".

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